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unterricht

Die untenstehende Geschichte ist von Amina Abazza geschrieben, Gründerin des Tierheims SPARE (www.sparealife.org) in Kairo. Neben Auffang und kostenloser medizinischer Versorgung der Tiere will SPARE sich mit Unterricht und Aufklärung beschäftigen, um so die Haltung der ägyptischen Bevölkerung im Hinblick auf Tiere positiv zu beeinflussen. Amina plant, eine Anzahl Tiergeschichten zu schreiben, besonders an Kinder gerichtet. Sie hofft, diese Geschichten zu gegebener Zeit zu einem Büchlein bündeln zu können und dieses kostenlos an Schulen zu verteilen. Wir pflichten dieser Idee von Herzen bei und es bereitet uns Freude, dass wir die Geschichte von Ringo auf unsere Website stellen dürfen. Selbstverständlich ist diese Geschichte über den Hundehimmel Fiktion, aber im übrigen ist es auch ein wahre Begebenheit. Macht Bekanntschaft mit Ringo!



lebenvonringo

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Ich bin Ringo und ich werde Euch meine Geschichte erzählen. Ich überlasse es Euch zu beurteilen, ob es eine fröhliche oder eine traurige Geschichte ist. Ich bin nicht mehr bei Euch, ich bin in den Himmel gegangen, in den Teil, der für Hunde reserviert ist. Hier kann ich mit meinen Freunden rennen und spielen soviel ich will, die Welt hier ist so grün und es gibt Platz ohne Ende. Wir können Tausende Gerüche schnuppern; alle Arten von Blumen, Früchten, Pflanzen und Bäumen gibt es hier. Die Luft ist herrlich frisch und das Wasser rein. Bedauerlicherweise sind alle Düfte hier herrlich, es gibt hier überhaupt gar keinen Abfall, das ist das einzige, was ich von der Erde noch vermisse, die Gerüche waren so anders auf der Erde und ich war verrückt nach den Lüftchen, die Eure Menschen „ekelhafte Lüftchen“ nannten.

Hier im Himmel in der Hundeabteilung gibt es ein durchgehendes Buffet. Wenn wir unsere herrlichen Mahlzeiten aufgegessen haben, werden unsere Schälchen sofort wieder gefüllt. Wir bekommen herrliche Gerichte vorgesetzt: Käse, Milch und Eier werden uns immerzu in großen Mengen serviert. Diese werden uns von unseren Nachbarn, die in der Abteilung für Bauernhoftiere leben, geschenkt. Sie schicken uns ihre Produkte mit einem der Engel, der dafür verantwortlich ist, uns essen zu geben.

Ich kann Euch gerne erzählen, dass alle Hunde im Himmel Vegetarier geworden sind. Wir können unsere Freunde nicht aufessen. Wir essen nur, was sie produzieren und was sie an uns abgeben. Es gibt sehr viele Engel bei uns und ein Engel hat nur die Aufgabe, mit uns zu schmusen. Ein anderer Engel spielt Musik für uns und wechselt sein Instrument, je nachdem, was wir gerade tun. Er spielt Gitarre vor dem Schlafengehen und trommelt, wenn wir spielen. Jede Beschäftigung hat so ihr eigenes Instrument. Ein Engel krault unsere Bäuche und wieder ein anderer (mein Lieblingsengel) spielt immer mit uns. Er hört nur auf, wenn wir ganz erschöpft sind. So wie ich schon eingangs sagte, das Leben hier im Himmel ist ganz anders als auf der Erde.

Jetzt wird es Zeit, Euch zu erzählen, wie es mit auf der Erde ergangen ist, diesem boshaften Planeten, auf dem so viele Hunde misshandelt werden. Wenn ich zurückdenke an mein Leben, frage ich mich: „Warum behandeln uns manche Menschen bloß so? Was haben wir getan, um so leiden zu müssen?“ Als ich vor 18 Jahren geboren wurde, war ich ein hübscher weißer Welpe. Eine ägyptische Familie kaufte mich in der Tierhandlung. Ich denke, dass sie mich ausgewählt hatten, weil sie meine Farbe und mein Fell schön fanden und auch die Tatsache, dass ich winzigklein war (ich war ja nur sechs Wochen alt). Sie nahmen mich mit nach Hause und setzten mich ins Badezimmer.

Wenn ich zurückdenke an mein Leben auf der Erde, denke ich als erstes an das Waschbecken im Badezimmer und das Geräusch von laufendem Wasser aus dem Hahn. Es hat schon einige Zeit hier im Himmel gedauert, bis ich die Flüsse und Wasserfälle genießen konnte; ich fand das Geräusch von laufendem Wasser so langweilig. Aber hier ist es so anders. Wenn ich Durst habe, ist das Wasser kühl und wenn ich schwimmen will, wird das Wasser warm, so blau. Ich muss mich selber immer wieder daran erinnern, dass ich im Himmel bin, immerhin war ich 14 Jahre lang im Badezimmer eingeschlossen. Ich war einsam und fühlte mich schlecht. Es gab niemanden, der mit mir sprach, keinen Kontakt mit den Menschen und natürlich gab es auch keine Tiere, mit denen ich Kontakt hatte. Ich wurde dumm, aber was konnte ich tun? Es war mein Schicksal.

Und ich hatte ein Problem: Es gab niemanden, der mich versorgte oder meine Augen saubermachen konnte, als sie anfingen zu jucken und weiter juckten. Immerzu floss etwas Schmutziges aus meinen Augen und es sammelte sich dort an. Niemand bemerkte es. Die ägyptische Familie, die mich gekauft hatte, gab mir nur Essen und Wasser, niemand hob mich hoch oder schaute nach meinem Gesicht. Ich weiß nicht, ob sie überhaupt in derselben Wohnung wohnten. Ich kann mich nicht erinnern, dass ich Menschenstimmen gehört habe.

Als ich jung war, verbrachte ich meine Zeit damit, die Fliesen des Badezimmers zu zählen und bei jeder Fliese bildete ich mir ein, dass darauf etwas Wunderbares zu sehen sei. Die erste Fliese links war das Gesicht meiner Mutter, auf der zweiten Fliese ein großer Garten, in dem ich herumrennen konnte, soviel ich wollte, die dritte war ein Stück Land mit Schlamm, in dem ich große Locher graben konnte. So habe ich meine Zeit herumgebracht, aber als die Zeit vorbeiging, konnte ich die Fliesen nicht mehr sehen, weil meine Augen so schmerzten. Aber niemand erkannte es. Du weißt, dass ich Deine Sprache nicht sprechen kann Ich heulte, aber niemand hörte mich. Wenn nur meine Augen nicht so wehgetan hätten!


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Die Person, die mich versorgte, war ein Hundetrimmer, ein alter Mann, der Mohammed hieß; er kam zwei Mal im Jahr vorbei. Als ich 14 war, hörte ich Mohammed mit meinen Besitzern sprechen. „Wohin wollt ihr, dass ich ihn mitnehme? Niemand wird einen alten, blinden Hund von 14 Jahren adoptieren wollen.“ Sprach er wirklich über mich? War ich schon 14 Jahre eingeschlossen im Badezimmer? War ich der alte, blinde Hund? Ja, ich fühle mich so alt und es ist in der Tat so, dass ich nichts mehr sehen kann. Dann hörte ich Mohammed am Telefon mit einer ägyptischen Frau sprechen, die gerade ein neues Asyl für Tiere in Giza eröffnet hatte, nicht weit von den Pyramiden von Cheops, Chephren und Mykerinos. Er fragte sie, ob er mich zu ihr bringen könnte. Ich glaube, dass die Frau sehr erschreckt von meiner Geschichte war, weil sie durch das Telefon schrie. Ich konnte etwas von dem Gespräch hören:

- „Mohammed, sagst du, dass dieser Hund 14 Jahre lang in einem Badezimmer eingeschlossen war?“
- „Ja, natürlich, ich weiß das ganz sicher, denn ich bin die ganze Zeit zwei Mal im Jahr zu ihm gekommen, um ihn zu trimmen.“
- „Wie ist er blind geworden?“
- „Weil niemand seine Augen saubergemacht hat oder ihm Augentropfen gegeben hat oder ihn für eine Behandlung zum Tierarzt gebracht hat.“
- „Warum hast du ihm nicht geholfen?“
- „Gnädige Frau, ich bin ein Hundetrimmer, ich bin ein armer Mann. Ich reinigte seine Augen zwei Mal im Jahr mit Wasser, wenn ich ihn trimmen musste. Nun wollen sie ihn nicht mehr haben, sie wollen einen neuen Welpen kaufen und Ringo auf die Strasse setzen.“
- „Okay, bring ihn sofort hierher.“

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